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07.07.2014 11:42 Alter: 4 yrs
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Von: Thomas Seltmann

Photovoltaik im Steuerrecht


Eine Solarstromanlage führt zu Einkünften aus Gewerbebetrieb und macht aus Privatpersonen Unternehmer, auch wenn sie sonst nicht selbständig tätig sind. Zwei Steuerarten stehen im Mittelpunkt: Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Knifflig wird es bei Eigenverbrauch und Stromlieferung an Nachbarn und Mieter sowie bei Batteriespeichern. Aussagen und Praxis der Finanzverwaltung widersprechen sich derzeit.

Wer regelmäßig Solarstrom erzeugt und nicht nur privat verbraucht, ist umsatzsteuerpflichtig, selbst wenn er keine Gewinne erzielt. Daneben können auch andere Steuerarten relevant werden (siehe Tabelle).

Umsatzsteuerpflicht finanziell vorteilhaft

Zwar könnten sich die meisten Anlagenbetreiber von der Umsatzsteuerpflicht befreien lassen – Kleinunternehmer bis 17.500 Euro Bruttoumsatz pro Jahr, was Photovoltaikanlagen erst ab einer Größe von etwa 50 bis 100 Kilowatt Leistung überschreiten. Jedoch bringt die Vorsteuererstattung dem Betreiber einen wesentlichen finanziellen Vorteil. Bei einem Steuersatz von 19 Prozent verbilligt sich die Anlage dadurch um rund 16 Prozent.

Für den ins Netz eingespeisten und verkauften Strom, genauer die dabei eingenommene Vergütung, muss der Betreiber Umsatzsteuer ans Finanzamt zahlen. Diese Umsatzsteuer erhält der Betreiber laut EEG zusätzlich zur gesetzlichen Vergütung. Die Umsatzsteuer ist für den Betreiber somit lediglich Durchlaufposten.

Eigenverbrauch verkompliziert

Komplizierter wird es bei privatem Eigenverbrauch des Solarstroms. Auch der unterliegt der Umsatzsteuer. Anlagen, die zwischen 2009 und März 2012 gebaut wurden, erhalten dafür sogar eine besondere Vergütung.

Für die steuerliche Abrechnung dieser Vergütung musste sich der Fiskus eine besondere Vorgehensweise einfallen lassen (siehe BMF-Schreiben vom 1.4.2009). Rechnerisch wird demnach auch der direkt verbrauchte Solarstrom zunächst zum vollen Einspeise-Vergütungssatz ins Netz gespeist. Gleichzeitig wird der Strom zum Differenzbetrag zwischen Einspeisevergütung und Eigenverbrauchsvergütung wieder an den Verbraucher zurückgeliefert.

Damit wird auch hier die Umsatzsteuer für den vollen Vergütungssatz ans Finanzamt bezahlt. Der private Eigenverbrauch wird faktisch mit der Differenz zwischen Vollvergütung und Eigenverbrauchsvergütung versteuert.

Bei den Neuanlagen ab April 2012, für die es eine Vergütung für den selbst verbrauchten Solarstrom seit April 2012 nicht mehr gibt, stellt sich die Frage neu, auf Basis welcher Bemessungsgrundlage der private Verbrauch zu versteuern ist. Im Entwurf eines bislang noch nicht veröffentlichten Schreibens des Bundesfinanzministeriums wird als Bemessungsgrundlage der Strombezugspreis einschließlich Grundpreis des Versorgers genannt (unentgeltliche Wertabgabe). Wer Strom für beispielsweise 20 Cent plus 2,4 Cent Grundpreis (6 Euro pro Monat bei 3.000 Kilowattstunden Strombezug) bezieht, muss für den eigenverbrauchten Strom 22,4 * 19 % = 4,26 Cent Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen.

Ertragsteuerlich (als Einnahme) sind dagegen nach Auskunft der bayerischen Finanzverwaltung die Selbstkosten anzusetzen. Vereinfachend wird dort ein Pauschalbetrag von 20 Cent pro Kilowattstunde empfohlen.

Steuervorteile durch Abschreibung

Die steuerliche Nutzungsdauer von Photovoltaikanlagen beträgt nach den amtlichen AfA-Tabellen 20 Jahre. Mit Hilfe von Sonderabschreibung und Investitionsabzugsbetrag lässt sich anfangs bereits ein Großteil der Investition abschreiben und die rechnerischen Anfangsverluste steuermindernd mit anderen Einkunftsarten verrechnen. Wer beispielsweise eine hohe Sonderzahlung oder Abfindung vom Arbeitgeber bekommt, könnte so im gleichen Jahr mehrere tausend Euro Steuern sparen.

Batteriespeicher steuerlich

Batteriespeicher dienen in Photovoltaikanlagen bisher dazu, den privaten Eigenverbrauch zu steigern und damit nicht dem gewerblichen Zweck der PV-Anlage: Solarstrom an den Netzbetreiber oder Nachbarn und Mieter zu verkaufen.

Eine Vorsteuererstattung und steuermindernde Abschreibung der Speicherkosten ist damit ausgeschlossen, stellte das Finanzamt eines PV-Betreibers im bayerischen Obergriesbach fest. Der wunderte sich nicht schlecht, da ein ihm bekannter Betreiber im benachbarten Gebiet eines anderen Finanzamtes den gegenteiligen Bescheid erhielt.

Eine Vorsteuererstattung und Abschreibung für Speicher setzt voraus, dass der Speicher (auch) dem gewerblichen Betriebszweck dient und dazu notwendig ist oder wenigstens technisch und wirtschaftlich untrennbarer Teil der Photovoltaikanlage ist. Aufgrund der zur Zeit noch hohen Speicherkosten könnte die Anlage dadurch insgesamt verlustbringend und damit ertragsteuerlich zur Liebhaberei werden.

Solange zu Batteriespeichern in Photovoltaikanlagen keine Vorgaben erlassen werden, sind die Steuerberater gefragt, im Einzelfall mit plausiblen Argumenten die Interessen ihrer Mandanten sachgerecht bei den Finanzämtern zu vertreten.

Thomas Seltmann, 12.6.2014

 

Autor:
Thomas Seltmann ist unabhängiger Experte und Autor des Stiftung-Warentest-Ratgebers „Photovoltaik – Solarstrom vom Dach“. www.photovoltaikratgeber.info

Literaturtipp:
Sonderausgabe „Fotovoltaik-Anlagen“ des WISO-Steuerbriefs (März 2014) aus dem IWW-Verlag in Würzburg: www.iwe.de/wiso

 

 

Betroffene Steuerarten bei Photovoltaikanlagen

 

Umsatzsteuer

wenn mindestens 10 % des erzeugten Stroms ins Netz oder an Dritte verkauft wird

Einkommensteuer

wenn mindestens teilweise Stromverkauf und gewinnbringend

Gewerbesteuer

wenn gewinnbringend und wenn Freibetrag überschritten

Grunderwerbsteuer

bei Verkauf des Grundstücks wenn Anlage mitverkauft wird und dem Eigenverbrauch dient sowie bei dachintegrierten Anlagen

Bauabzugsteuer

nein

Körperschaftsteuer

wenn gewinnbringend und der Betreiber eine Kapitalgesellschaft, Genossenschaft oder Verein (juristische Person)

 

 

 

 

Vorsteuer und Abschreibung bei Stromspeicher können nur unter bestimmten Voraussetzungen geltend gemacht werden.
Bildquelle: www.Sonnenenergie.de

 

 


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