Systemrelevanz der steuerberatenden Berufe in Thüringen eingefordert

Der Steuerberaterverband Thüringen hat heute mit Schreiben der Präsidentin Andrea Recknagel an

  • den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow,
  • den Thüringer Minister für Bildung, Jugend und Sport Helmut Holter,
  • den Thüringer Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft Wolfgang Tiefensee sowie
  • die Ministerin im Thüringer Finanzministerium Heike Taubert

die Thüringer Landesregierung aufgefordert, die Angehörigen der steuerberatenden Berufe nebst den Angestellten in den Steuerberatungskanzleien kurzfristig in den Katalog der Tätigkeiten aufzunehmen, die einer erweiterten Notbetreuung von Kindern zugänglich sind.

Der Berufsverband hatte die Verlautbarung des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport vom 21.04.2020 zunächst abgewartet. Darin waren die erhofften Erleichterungen für den Berufsstand nicht enthalten.

Verbandspräsidentin Andrea Recknagel machte deutlich, dass aufgrund der vielfältigen Hilfestellungen für die von der Pandemie betroffenen KMU, wie Anträge auf Kurzarbeitergeld, Beantragung von Soforthilfen, Darlehen, Bürgschaften, Fristverlängerungen, Herabsetzungen von Vorauszahlungen etc., die reguläre Lohn- und Finanzbuchhaltung kaum noch erledigt werden könnte. Das hätte zur Folge, dass an die Angestellten der KMU keine Löhne und Gehälter ausgezahlt werden sowie die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht rechtzeitig beantragt werden können.

In den Kanzleien nimmt der Anteil erziehungspflichtiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen hohen Anteil ein. Diese Angestellten fehlen jetzt wegen der häuslichen Kinderbetreuung bei der Abarbeitung der Mandate. Die Leistungsfähigkeit trotz bestehender Home-Office-Regelungen ist stark eingeschränkt. Mit der Möglichkeit, die erweiterte Notfallbetreuung von Kindern in Anspruch nehmen zu können, würden absehbare Härten für Unternehmen und ihre zahlreichen Beschäftigten gemildert. Eine vergleichbare Lösung haben bereits mehrere Bundesländer, darunter beispielsweise Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen, eingeführt.


Herrn Ministerpräsident
Bodo Ramelow
Thüringer Staatskanzlei
Postfach 90 02 53
99105 Erfurt

 

Aufnahme des steuerberatenden Berufs in den Kreis der für die Kindernotbetreuung berechtigten Berufsgruppen

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Thüringer Steuerberatungskanzleien nehmen bei den Anstrengungen, die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft abzufedern, derzeit eine zentrale Rolle ein.
Für Unternehmen sind Steuerberaterinnen und Steuerberater in folgenden Fragen erste Hilfeleister:

  • Beantragung von Kurzarbeit
  • Beratung von existenzbedrohten Unternehmen
  • Erstellung von Liquiditätsvorschauen und Ertragsentwicklungen
  • Unterstützung bei der Antragstellung von Soforthilfen, Darlehen und Bürgschaften
  • Beantragung von Fristverlängerungen, Stundungen, Herabsetzung von Steuervorauszahlungen usw.

Diese Tätigkeiten stellen jedoch nicht das Tagesgeschäft der typischen Steuerberatungskanzlei dar, sondern müssen – notwendigen Fortbildungsbedarf berücksichtigend – zusätzlich zu den regulären Aufgaben bewältigt werden.

Bereits anhand der Anzahl der Unternehmen, welche die staatlichen Hilfen beantragt haben, können Sie ermessen, mit welcher hohen Belastung die Steuerberaterinnen und Steuerberater mit ihren Mitarbeitenden konfrontiert sind. Aktuell nimmt die Beratung zur Existenzsicherung krisengeschüttelter Unternehmen stark zu. Das geht aber zeitlich zu Lasten der Lohn- und Finanzbuchhaltung. Monatlich werden bundesweit für ca. 30 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Lohn- und Gehaltsabrechnungen durch Steuerberatungskanzleien erstellt.

In den Kanzleien nimmt der Anteil erziehungspflichtiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen hohen Anteil ein. Diese Angestellten fehlen jetzt wegen der häuslichen Kinderbetreuung bei der Abarbeitung der Mandate. Die Leistungsfähigkeit trotz bestehender Home-Office-Regelungen ist stark eingeschränkt.

Aktuell droht, dass Lohn- und Gehaltsabrechnungen nicht pünktlich erstellt werden können und deshalb Auszahlungen an die Beschäftigten der betroffenen Unternehmen nicht sichergestellt sind. Darüber hinaus ist ernstlich zu befürchten, dass die zunehmenden Anträge auf Kurzarbeitergeld nicht kurzfristig gestellt werden können. Die bereitgestellten staatlichen Hilfen kämen nur sehr verzögert bei den Betroffenen an!

Eine große Hilfe wäre es, wenn die Angehörigen der steuerberatenden Berufe nebst den Beschäftigten in den Steuerberatungskanzleien vergleichbar der Situation in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen kurzfristig in den Kreis der Berechtigten für die Kindernotbetreuung aufgenommen werden könnten.

Ich bitte Sie hiermit eindringlich, die Steuerberaterinnen und Steuerberater dabei zu unterstützen, dass die anstehenden unaufschiebbaren Aufgaben erledigt werden können. Das sollte mit der Ausweitung des Katalogs der Tätigkeitsbereiche für eine erweiterte Notfallbetreuung von Kindern auch auf Steuerberater erfolgen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Andrea Recknagel
Präsidentin
Steuerberaterverband Thüringen

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